Mitarbeiter misstrauen Arbeitgebern und Vorgesetzen

Mitarbeiter mißtrauen Vorgesetzen©Bild: MuellekJosef-shutterstock

Mitarbeiter misstrauen Arbeitgebern & Vorgesetzten

Jeder Zweite vertraut seinem Arbeitgeber nicht.

Dies ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) mit knapp 10.000 Beschäftigten in 8 Ländern, davon 1.226 in Deutschland. Nach dieser Studie sind die Beschäftigten in Deutschland sogar noch skeptischer als im globalen Vergleich.

Rund 51 % Prozent der Mitarbeiter in Deutschland vertrauen demnach zumindest ihren Kollegen – aber nur 44 % vertrauen ihrem Unternehmen – und nur 47 % bringen dies ihrem Vorgesetzten entgegen!

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Woher resultiert dieses hohe Mißtrauen?

Lt. Studie nannten die Mitarbeiter folgende Hauptgründe
• 53 % eine unfaire Bezahlung und
• 48 % eine fehlende Chancengleichheit bei Bezahlung und Beförderung an.
• 46 % jedoch sehen ein Führungs-Defizit als Ursache – gefolgt mit je
• 43 % dem Nicht-Vorhandensein eines kooperativen Arbeitsumfeldes und eine zu hohe Fluktuation.

Es zeigt sich also auch hier, dass nicht nur die monetären Dinge zählen, sondern genauso Anerkennung, Wertschätzung und Kontinuität für die Mitarbeiter großes Gewicht haben.

Regieren Angst und Resignation bei den Mitarbeitern?

25 % der Arbeitnehmer in Deutschland rechnen mit Nachteilen für sich, wenn sie keine Überstunden leisten! Und mehr als ein Drittel glaubt nicht daran, dass Erfolg durch Leistung ermöglicht wird.
In Deutschland glauben mit rund 45 % weit mehr Befragte als in den anderen Ländern nicht, dass hartes Arbeiten und das Erreichen von Zielen zu Gehaltserhöhung oder Beförderung führen. Ebenfalls mit 5 % über den globalen Aussagen haben 27 % der Mitarbeiter arge Zweifel an einer wirklich ernsthaften Zugehörigkeit und Einbeziehung.

Welche Folgen kann das nach sich ziehen?

Entsprechend der Aussagen der Mitarbeiter mit geringem Vertrauen, so sind lt. Studie von Ernst & young auch deren Reaktionen:
• 42 % denken an einen Jobwechsel
• 30 % machen “Dienst nach Vorschrift” und arbeiten nur ihr Minimalpensum ab
• 28 % geben zu, weniger engagiert und produktiv zu sein
• 25 % sehen Qualität nur noch als Nebensache an und
• knapp ein Viertel spricht gegenüber anderen negativ über das Unternehmen

Vertrauensbildende Maßnahmen

Manche der hier vorgestellten Aussagen aus der Studie von Ernst & young verwunderten uns vielleicht nicht wirklich – aber gaben uns in dieser Form schon etwas zu denken.

Vertrauen in Unternehmen darf genauso wenig eine Einbahnstraße sein, wie in einer Ehe oder sonstigen Beziehung, sondern muss auf Gegenseitig beruhen. Es ist alles ein Geben und Nehmen. Und genauso wie Unternehmen und Vorgesetzte sich auf die Mitarbeiter verlassen können wollen und müssen, so wollen und müssen die Mitarbeiter dies genauso anders herum

Welche Faktoren und Maßnahmen fördern das Vertrauen von Mitarbeitern?

Nach der Studie ergab sich auch hinsichtlich vertrauensbildender Faktoren durch den Arbeitgeber ein eindeutiges Bild:
• 73 % nannten das Einhalten von Versprechungen zusammen mit der Arbeitsplatzsicherung
• 65 % gaben eine gerechte Bezahlung an
• 59 % finden Offenheit und Transparenz wichtig
• 55 % nannten gleiche Chancen bei Bezahlung und bei Beförderung
• 38 % gilt zudem weltweit ein vielfältiges Arbeitsumfeld mittlerweile als Voraussetzung für ein gutes Vertrauensverhältnis zur Firma.

Die Mitarbeiter wollen eine faire und gerechte Behandlung, verbunden mit Wertschätzung und Offenheit im Umgang. Und Sie wollen daß Entscheidungen und Bewertungen transparent und nachvollziehbar sind.

Motivation, Zugehörigkeitsgefühl und Vertrauen gegenüber Unternehmen und Vorgesetzten sind heutzutage entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Unternehmens und elementar für eine Mitarbeiterbindung. Speziell gute Mitarbeiter – und gerade die junge Generation – werden sonst irgendwann nicht zögern, sich einen Arbeitgeber zu suchen, der ihnen diese Dinge bietet.
Und im globalen Wettbewerb und dem Kampf um gute und spezialisierte Fachkräfte, werden sie auch womöglich nicht lange danach suchen müssen!

Aber wie das nun einmal so ist: Vertrauen muss man sich verdienen, das bekommt man nicht im Gratispack. Auch Unternehmen nicht!

Unternehmen sollte die Studie von Ernst & Young daher mindestens genauso zu denken geben, wie sie uns das getan hat. Denn wer eine gute Ernte einfahren will, sollte auch für einen fruchtbaren Acker sorgen und zusehen, dass er genug tatkräftige Erntehelfer hat.

Quellenangabe: EY-Pressemitteilungen 2016 – Ernst & Young GmbH