Miese Unternehmenskultur – kranke Mitarbeiter

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Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Gesundheit der Mitarbeiter wieder einmal belegt.

Dem diesjährigen Fehlzeitenreport 2016 vom Wissenschaftlichen Institut der AOK lag unter Anderem eine Befragung von rund 2.000 Beschäftigten zwischen 16 und 65 Jahren speziell zum Thema „Unternehmenskultur und Gesundheit“ zugrunde.

Die Ergebnisse lassen wenig Zweifel daran, dass die Unternehmskultur einen schon gravierenden Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter hat. Positiv als auch negativ.
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Das sagen die Zahlen!

Während jeder der 12 Millionen AOK-Versicherten im Durchschnitt 19,5 Tage fehlte und die Anzahl der Krankheitstage bei allen Erkrankungen bei rund 11,6 Tagen lag, so liegen die Fehltage bei psychischen Leiden übrigens bei 25,6 Tagen!

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Dass 16,7 % der Mitarbeiter, die eine Unternehmenskultur als schlecht bewerten  auch krank zur Arbeit gingen – also rund 5 % mehr als die, die die Kultur als gut ansehen- wird womöglich den ein oder anderen bestärken alles richtig zu machen.
Denen sei gesagt, dass ihre Milchmädchen-Rechnung – unabhängig von der fehlenden Weitsicht zum Thema Präsentismus – nicht aufgeht. Denn diese Mitarbeiter sind aufgrund ihres unachtsamen Umganges mit ihrer Gesundheit deutlich öfter krank und fehlen damit auch häufiger.

Geld oder Liebe?

Die Zeiten, dass monetäre Anreize alleine ganz oben auf der Wunsch-Liste der Mitarbeiter stehen, die sind längst vorbei. Auch wenn eine gewisse Entlohnungsgerechtigkeit durchaus zu einer als gut bewerteten Unternehmenskultur gehört, so jagen die Menschen nicht nur dem Geld hinterher, sondern wollen mehr als früher ihr Tun als sinnhaft erleben.

Mitarbeiterorientierte Führung, Wertschätzung, Fairness und Einbindung in Entscheidungsprozesse stehen mittlerweile genauso hoch im Kurs, wie Lohn und Gehalt – wenn nicht sogar höher.

Business ist allerdings auch kein Streichelzoo, der sich nach jeglichen Befindlichkeiten jedes einzelnen Mitarbeiters richten darf und soll – aber Unternehmen tun gut daran, ihre Unternehmens- und vor allem Führungskultur kritisch auf den Prüfstand zu stellen und daran zu arbeiten, denn gesunde und motivierte Mitarbeiter fehlen nicht nur seltener, sondern arbeiten auch produktiver, was somit das Betriebsergebnis beeinflussen wird.

Unternehmenskultur – wohlwollende Theorie oder traurige Praxis?

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass es nicht mehr ausreicht lediglich die klassischen Unfallverhütungsvorschriften und die Grundlagen von Arbeitsschutz zu kennen und einzuhalten. So nimmt die Unternehmenskultur In Deutschland durchaus bereits einen hohen Stellenwert ein.
95 % der Unternehmen streben eine von Vertrauen geprägte Unternehmenskultur an und 2/3 der Unternehmen verfügen über Unternehmensleitlinien, in denen ihre Werte und Einstellungen schriftlich fixiert sind. In 2/3 der Unternehmen werden Mitarbeitergespräche geführt und 1/4 nutzen Zielvereinbarungen mit ihren Mitarbeitern.

Aber dennoch ist es hiermit offensichtlich nicht getan!
Wunsch und Wirklichkeit klaffen nicht selten auseinander. Zum einen werden die vom Unternehmen durchaus wohlwollend festgesetzten Leitlinien in der Praxis oft gar nicht oder unzureichend auch gelebt – zum anderen hinkt das tatsächliche Erleben der Mitarbeiter auch oft gravierend hinter deren Erwartungen zurück.

Als wichtigste Faktoren für eine positive Unternehmenskultur nennen 78 % Loyalität des Arbeitgebers und 69 % den Aspekt des Lobens. Aber nur 55 % der Beschäftigten erleben tatsächlich, dass der Arbeitgeber hinter ihnen steht. Nur die Hälfte der Beschäftigten wird für gute Arbeit wirklich gelobt – und nur 2 von 5 Mitarbeitern berichten von eigenem Einfluss auf Entscheidungen.

Umdenken ist gefragt!

Nicht nur um Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und deren Produktivität zu fördern, sondern auch um gute Mitarbeiter im Hinblick auf demografischen Wandel und Fachkräftemangel zu halten sollten Unternehmen vermehrt auf Werte setzen und Führungskräfte eine mitarbeiterorientierte und auf Vertrauen basierende Kultur der Zusammenarbeit forcieren.
Wer immer noch autoritär und rein patriarchisch per Anordnung und Kontrolle führt, führt nicht mehr zeitgerecht …und wird Mitarbeiter weder zu Spitzenleistungen motivieren – noch halten können.

Quellenangaben:
Fehlzeiten-Report 2016 von Bernhard Badura, Antje Ducki, Helmut Schröder, Joachim Klose, Markus Meyer